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Beratungsphilosophie

 

"Woran arbeiten Sie?" wurde Herr K. gefragt. Herr K. antwortete: "Ich habe viel Mühe, ich bereite meinen nächsten Irrtum vor."
(B. Brecht)

 

Mit diesem Aphorismus möchte ich einen zentralen Aspekt meiner Beratungsphilosophie umreissen. Ich gehe davon aus, dass es hilfreich sein kann, die Erlebnisse und Erfahrungen des (beruflichen) Tätigseins in geeigneter Form zu reflektieren, um sie zu verstehen. Dabei kann eine bestimmte Situation, ein Klient, der einzelne Mitarbeiter, sein Team oder auch die ganze Organisation mit all ihren Gliedern und Schnittstellen im Fokus sein. Ziel der Beratung ist es in jedem Fall, Verwickeltes und Hemmendes, Konflikthaftes und Unklares zu bearbeiten und zu Lösungen zu kommen, damit Menschen und Organisationen kraftvoll, vital und erfolgreich arbeiten - je nach spezifischem Arbeits- bzw. Organisationszweck.

 

 

Menschen bleiben im Arbeitsleben gesund und erfolgreich, wenn sie ihre Arbeitsaufgaben als handhabbar, verstehbar, sinnhaft und ihr Tun als wirkungsvoll empfinden. Dieses  wirkt auch nach außen.

Hier kommt also berufliche Beratung an verschiedenen Organisations- bzw. Institutionsebenen zum Tragen: beispielsweise Fall- oder Teamsupervision für Mitarbeiter, Leitungssupervision oder Coaching und/oder Organisationsberatung für die Leitung.

 

Jetzt schon, jedoch noch mehr in der Zukunft wird der Erfolg eines Unternehmens von der Qualität der Organisation und der Qualität sogenannter "weicher Faktoren" abhängen:

 

 "Was die Unternehmen in Zukunft unterscheiden wird, ist die Qualität weicher Faktoren wie Kommunikation, Zusammenarbeit, Kreativität, Solidarität, Vertrauen und Verantwortungsbewußtsein. Sie erscheinen bisher in keiner Bilanz, in keiner Gewinn- und Verlustrechnung. Sie können nicht mit Geräten direkt gemessen werden. Dennoch sind es die Faktoren, von denen die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen in Zukunft bestimmt sein wird. Da die soft facts für den Erfolg immer wichtiger werden, wird sich der Unternehmer der Zukunft um die inneren Verhältnisse des Betriebes mindestens genauso intensiv kümmern müssen wie um Fachwissen, Kapitalbeschaffung, neue Technologien und neue Märkte."

 (Leo A. Nefiodov, Fraunhofer Gesellschaft, Bonn 2002)

 

Um zum Reflektieren zu gelangen, braucht es mitunter - um ein Bild zu verwenden - das Ersteigen eines höheren Turms, um mit veränderter Perspektive und Distanz auf "die Welt" zu schauen. Das Besteigen höherer Geländepunkte ist allerdings nicht ganz unheikel, obgleich meistens ein phänomenaler Rundumblick als Belohnung winkt: "Den besten Ausblick bekommt man nur von den gefährlichsten Gipfeln", wußte schon Mao Tse-Tung.

 

 

 

Ein anderes Mal ist vielleicht das Heranzoomen geeignet, um etwas näher und vergrößert wahr-zunehmen.

 

 

"Die Welt entsteht im Auge des Betrachters" (unbekannt).

 

Um den Bedeutungsgehalt dessen zu erfassen, was jemand sieht, ist es sinnvoll, es sich im Gespräch zu erfragen. Insofern kommen systemisch-konstruktivistische Ansätze in meiner Beratungsarbeit zum Tragen.

 

Die Idee, Situationen mit Hilfe von anderen zu betrachten, ist schon sehr alt. Auch Christian Morgenstern weiß davon zu berichten:

 

"Jeder muß seinen Mann* haben, der ihm über die Schulter sieht, und dieser wieder seinen und so fort. Das ist nur gut und billig; so allein kommt der Mensch vorwärts."

 

Und Georg Christoph Lichtenberg formuliert:

 

"Schwachheiten schaden uns nicht mehr, sobald wir sie kennen."

 

Selbstverständlich gelingt ein nachhaltiger Beratungsprozess am ehesten dann, wenn sich die Beratung auf der Grundlage wertschätzender Achtsamkeit und der steten Orientierung am "inneren Wachstum" des Klienten vollzieht. Auf philosophisch-ethischer Grundlage fühle ich mich den Werten der humanistischen Psychologie verbunden.

 

Um subjetive Wirklichkeiten sicht- bzw. hörbar werden zu lassen, gibt es eine Fülle supervisorischer Methoden, die sich nach meinem Verständnis immer an der genannten Grundhaltung dem Menschen und seinem Entwicklungsprozess orientieren müssen. In der Regel gilt: "Der Klient hat schon die Lösung, er weiß es nur noch nicht."

 

* Originalzitat. Selbstverständlich müssen wir den Ausdruck "Menschen" verwenden. Aus Gründen der Lesbarkeit verwende ich eher die männliche Form. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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